Lauenburg (mk) Wer böse Männer erwartet hatte, die unbeherrscht ihre Schlaginstrumente traktieren, der war am vergangenen Samstag in der Heinrich-Osterwold-Halle an der falschen Adresse. Das „frantic percussion ensemble“, das am vergangenen Samstag sein Gastkonzert in der „da capo talento“ Veranstaltungsreihe gab, präsentierte eher die Weltmeisterschaft der Obertöne.
Die sechs jungen Künstler hatten ein volles Programm an Percussion aufgefahren – den eigens präparierten Konzertflügel des Hauses inbegriffen. Schlagend, klatschend und mit dem Geigenbogen arbeitend, entführten sie ihre Zuschauer in eine Welt aus Rhythmen, Melodien und Klang-malereien. Keksdose und Schneebesen setzten dabei ebenso faszinierende Akzente wie die vier Triangeln, für die das Ensemble eigens eine beeindruckende Komposition mitgebracht hatte.
Klassiker wie John Cage gaben sich auf der Playlist mit Zeitgenossen wie dem Winsener Komponisten Matthias Kaul sprichwörtlich die Klinke in die Hand. Die Künstler selbst scheuten keine Nähe zum Publikum und präsentierten ihre Musik auf der Bühne und auf dem Parkett – direkt vor der ersten Zuschauerreihe. Wie durch unsichtbare Antennen verbunden wirkte ihr völlig synchrones Spiel, aus dem sich zu den passenden Gelegenheiten die solistischen Einlagen lösten. Das Publikum verfolgte das Programm mit Hochspannung und zeitweise völligem Abtauchen in die dargebotenen Klangbilder.
Veranstalter Bernhard Sdun war – wie Daniel Orthey, der musikalische Leiter und Coach des Ensembles – restlos begeistert vom Zuspruch durch ein Publikum, das teilweise weite Anfahrtswege für dieses Konzert auf sich genommen hatte. Die Musiker selbst gingen in der Atmosphäre der Heinrich-Osterwold-Halle voll auf und belohnten ihre Zuhörer mit Arvo Pärts „Da pacem Domine“ als Zugabe – mit acht Händen auf dem Hauptinstrument. Zart, obertonreich, eben weltmeisterlich!

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