Der direkte Start ins Berufsleben kann aus den unterschiedlichsten Gründen scheitern: Sei es weil die Ausbildungsreife noch fehlt, die Schulnoten nicht ausreichend sind, die passende Ausbildungsstelle nicht vorhanden ist oder Sprachdefizite bestehen. Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung werden diese Jugendlichen später als Fachkräfte dringend benötigt. Damit diese jungen Menschen nicht unversorgt bleiben und eine individuelle Chance erhalten, gibt die Agentur für Arbeit Lübeck über elf Millionen Euro jährlich für die Eingliederung in das Berufsleben in der Hansestadt Lübeck und im Kreis Ostholstein aus. Zu diesen Angeboten gehört auch die Berufsausbildung in einer außerbetrieblichen Einrichtung (BaE).
„Mit BaE fördern wir lernbeinträchtige und sozial benachteiligte Jugendliche, die keinen Ausbildungsplatz in einem Betrieb gefunden haben und besondere Hilfen benötigen. In Kooperation mit Bildungseinrichtungen werden neben regulären Ausbildungsinhalten zusätzlicher Unterricht und sozialpädagogische Betreuung angeboten. So kann manche schwierige Phase in schulischer, aber auch privater und persönlicher Hinsicht gemeistert werden. Jährlich werden so in Lübeck und Ostholstein rund 300 Jugendliche auf ihren Ausbildungsabschluss in den unterschiedlichsten Berufen wie zum Beispiel Metallbauer/in, Maler/in, Bäcker/in, Hochbaufacharbeiter/in oder Fleischer/in vorbereitet“, erklärt Wolfgang Werner, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Lübeck.
Auch Kerem Kocabay (21 Jahre), der seit 2002 in Deutschland lebt, hatte Schwierigkeiten nach Berufsfachschule und einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme einen Ausbildungsplatz zu finden. Er benötigte noch umfangreiche Unterstützung in Deutsch und pädagogische Betreuung. Im Gespräch mit seinem Berufsberater Norbert Braasch wurde gemeinsam entschieden, dass er ab September 2008 in der Außenstelle Dänischburg der Berufsbildungsstätte Travemünde (BBT) die Ausbildung zum Metallbauer Konstruktionstechnik macht und so diese benötigte Hilfestellung erhält.
„Unsere außerbetriebliche integrative Ausbildung ist wie eine ganz normale Lehre, in der wir jährlich zwischen 50 bis 60 Teilnehmer betreuen. Die Jugendlichen bekommen eine Ausbildungsvergütung, besuchen die Berufsschule, werden in unseren modernen Werkstätten ausgebildet und sozialpädagogisch betreut. Der praktische Teil der Ausbildung findet auch in Kooperationsbetrieben statt. Zu Beginn war Kerem Kocabay sehr zurückhaltend und konnte sich nicht so gut bei Bewerbungsgesprächen behaupten. Mittlerweile ist er selbstbewusster geworden und hat sich im Praktikum so gut bewährt, dass er ab 01. August 2010 in das 3. Lehrjahr bei der Firma Haack & May GmbH übernommen wurde“, erläutert Inga Denker, seine sozialpädagogische Betreuerin beim BBT.
„Kerem Kocabay hat sich während des Praktikums sehr engagiert und in den Betrieb gut eingefügt. Man hat ihm die Freude an der Arbeit regelrecht angesehen. Wenn er sich weiterhin so gut bewährt, wird er nach seiner Ausbildung übernommen. Wir haben häufiger Praktikanten, bilden seit vielen Jahren aber auch selber aus. Zurzeit haben wir sechs Nachwuchskräfte und stellen 2011 wieder Metallbauer Konstruktionstechnik ein. Wir sind ein Familienbetrieb in der fünften Generation und haben uns mit zurzeit 20 Mitarbeitern auf den Zaunbau spezialisiert. Wir legen viel Wert auf eigenen Nachwuchs und Fachkräfte, denn nur so können wir Qualität anbieten und wettbewerbsfähig sein“, erklärt Marc Matthiessen, Geschäftsführer der Firma Haack & May GmbH in Lübeck.
„Herr Matthiessen handelt sehr vorausschauend. Die Trendwende am Ausbildungsmarkt wird sich in den kommenden Jahren noch verstärken: Einer Vielzahl unbesetzter Lehrstellen werden immer weniger Ausbildungsplatzsuchende gegenüberstehen. Mit diesem Beispiel möchten wir auch anderen Arbeitgebern Mut machen und würden uns freuen, wenn noch mehr Betriebe junge Menschen aus einer außerbetrieblichen Einrichtung in das 2. oder 3. Lehrjahr übernehmen. Auch bei der direkten Einstellung schwächerer Bewerber berät unser Arbeitgeber-Service Sie gerne zu Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten“, ergänzt Werner.
Den Arbeitgeberservice für Lübeck und Ostholstein erreichen Betriebe unter der Hotline 0180 1 664466 (Festnetzpreis 3,9 ct/min; Mobilfunkpreise höchstens 42 ct/min).

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