Einloggen

Verfasst von:
Artikel insgesamt: 44

Aktuell wie eh und je: 100 Jahre Internationaler Frauentag

EUTIN. Am 8. März erinnern Frauen weltweit an ein fast revolutionäres Ereignis und feiern das 100-jährige Jubiläum des Internationalen Frauentages. In Eutin stellen ein Dutzend Frauenorganisationen sogar eine ganze Veranstaltungsreihe auf die Beine.

Gudrun Dietrich

Gudrun Dietrich


Zwischen dem 8. März und 2. April sind insgesamt neun Aktionen geplant, die mit Kabarett und Kino Unterhaltung versprechen, aber auch an Historisches und Aktuelles in Sachen Frauenpolitik aufmerksam machen. Und dabei kommt vermutlich auch zum Ausdruck, dass einige der 1911 gestellten Forderungen bis heute noch nicht erfüllt worden sind. Das ist zumindest die Bilanz der kommunalen hauptamtlichen Gleichstellungsbeauftragten im östlichen Holstein. „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit – dafür müssen wir noch immer auf die Straße gehen“, sagt die Eutiner Gleichstellungsbeauftragte Gudrun Dietrich.

Die Frauen forderten vor 100 Jahren ihre soziale und politische Gleichstellung. Es dauerte bis nach dem Ersten Weltkrieg , dass in Deutschland 1918 das Frauenwahlrecht eingeführt wurde. 1949 wird im deutschen Grundgesetz festgestellt, dass Männer und Frauen gleichberechtigt sind. Und in der Realität? Erst 1958 wird das „Alleinentscheidungsrecht des Ehemannes“ gestrichen, das heißt, bis dahin durfte er das Arbeitsverhältnis seiner Frau kündigen. Ein Jahr später konnten Frauen auch über ihr eigenes in die Ehe eingebrachtes Vermögen verfügen. 1980 wurde die Gleichbehandlung am Arbeitsplatz im BGB festgeschrieben, ebenso das Recht auf gleiches Entgelt. Aber die Wirklichkeit sieht bis heute anders aus: „Frauen verdienen für die gleiche Tätigkeit 23 Prozent weniger als Männer. Die meisten Teilzeitarbeitsplätze haben Frauen inne, auch bei den 400-Euro-Jobs. In diesem Bereich ist Schleswig-Holstein bundesweit trauriger Spitzenreiter“, sagt Gudrun Dietrich. Als ein Grundproblem in der gegenwärtigen Gesellschaft bezeichnet sie die Tatsache, dass in Deutschland immer noch die familiären Pflichten den Frauen zugeschrieben werden. „Hier muss ein Umdenken bei der Rollenverteilung stattfinden. Und auch Strukturen müssen geändert werden. Bei den heutigen Rahmenbedingungen haben Frauen schlechte Chance, vermehrt Vollzeitstellen zu erreichen, weil sie Familie und Beruf unter einen Hut bringen müssen. Ein Dreh- und Angelpunkt ist hier die Kinderbetreuung, die oft nur bis 14 Uhr angeboten wird“, so Dietrich. Weitere Baustellen: Führungspositionen, in denen man Frauen mit der Lupe suchen muss, und die Altersarmut, die vor allem eines ist – weiblich. Gleichzeitig treibt die hiesigen Gleichstellungsbeauftragten die Sorge um, dass Frauenfachberatungsstellen in Schleswig-Holstein stark vom Sparpaket der Landesregierung betroffen sind. Für Gudrun Dietrich ist klar: „Der Internationale Frauentag ist auch nach 100 Jahren noch aktuell und wichtig für Deutschland!“

Das aktuelle Programm zum Frauentag-Jubiläum in Eutin

Freitag, 25. März

19.30 Uhr: “Weniger Geld und kaum Karriere – wo bleibt die Gleichberechtigung?”, Vortrag über die Ungleichheit von Frauen- und Männerarbeit in Deutschland, Kreisbibliothek Eutin, Schlossplatz 2

Dienstag, 29. März

18.30 Uhr: “Umgang mit schwierigen Kundinnen und Kunden”, Vortrag im Rahmen des Unternehmerinnen-Stammtisches, anschließend ist Zeit für Gespräche und zum Austausch, Restaurant Schlossküche im Schloss Eutin (Anmeldungen unter Telefon 04521/788445)

Freitag, 1. April

19 Uhr: “Genug Geld zum Leben?!”, Frauensichten auf ein bedingungsloses Grundeinkommen, Vortrag mit Büfett, Gemeindesaal der evangelischen Kirche Eutin, Schlossstraße 2 (Anmeldungen unter Telefon 04521/800548)

Sonnabend, 2. April

11 bis 16 Uhr: Aufbau eines Netzwerkes kommunalpolitisch aktiver und interessierter Frauen in Ostholstein, im Ostholsteinsaal des Eutiner Kreishauses, Lübecker Straße 41

1 Kommentar zu Aktuell wie eh und je: 100 Jahre Internationaler Frauentag

  • Larissa

    In all dem Frust über die langsamen Fortschritte bei der Gleichberechtigung gibt es doch auch Ermutigendes: Dass ein männlicher Autor über die Vorteile der Gleichberechtigung auch für Männer schreibt – so gelesen bei Peter Redvoort (Die Söhne Egalias).

    Larissa

Mein Kommentar

  

  

  

Du kannst diese HTML tags benutzen

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>