LÜBECK. Während die teure Licht-Installation auf dem Koberg zur Blamage für die Hansestadt wird, erntet die aus der Bevölkerung heraus entstandene Wind Art auf dem Travemünder Fährplatz viel Lob. Interview mit Peter Sünnenwold, Vorsitzender des Kulturausschusses der Hansestadt Lübeck und kulturpolitischer Sprecher der CDU, über die beiden so unterschiedlichen Plätze.
Lobt die Wind Art in Travemünde, hat aber wenig übrig für das Koberg-Kunstwerk: Peter Sünnenwold, hier mit dem "Magnus Pendel" des Aachener Künstlers Berndward Frank im Hof der Alten Vogtei Travemünde. Foto: HELGE NORMANN
Hier haben wir ein schönes, 100 Jahre altes Foto, Herr Sünnenwold. Herr Geibel sitzt da.
Peter Sünnenwold: Der wunderschöne Koberg, ja.
Was fällt Ihnen denn dazu ein?
Peter Sünnenwold: Das Bild ist schon mal wunderschön und zeigt ein Stück altes Lübeck mit seinem hervorragenden Platz, rundum kleinere Bäume, die schönen alten Lübecker Häuser, einige stehen ja noch davon. Und dann Geibel dort, wo er hingehört, auf dem Koberg.
Das mehr als 100 Jahre alte Foto zeigt das Denkmal für den Lübecker Lyriker Emanuel Geibel (1815 bis 1884) da, wo viele Lübecker es sich heute wieder hinwünschen: Auf dem Koberg. Foto: ARCHIV HN
Zum Koberg-Kunstwerk gab es ja mal einen bösen Leser-Kommentar, der sprach von „Schuhsohlen-Beleuchtungsanlage“. Das funktioniert ja heute noch nicht richtig.
Peter Sünnenwold: Nein, das funktioniert immer noch nicht. Gut, einige sagen, das ist ein Hubschrauber-Landeplatz, andere sagen, das ist eine Kopie des Zeichens der Deutschen Bank. Wie auch immer, schön finde ich das ganze nicht, aber das ist ja immer die Frage bei uns, was ist Kunst? Das ist ja ein sehr vielschichtiger Begriff. Künstler, die davon betroffen sind, werden es immer als Kunst bezeichnen. Andere sagen, ich kann darin nichts erkennen. Ich hätte mir den Koberg sicherlich anders gewünscht. Auch wenn es um Beleuchtung geht. Die Rotarier hatten mal eine Woche den Koberg erleuchtet, die Häuser erleuchtet. Da war der ganze Koberg rundum belebt. Das fand ich sehr schön. Während dieses so genannte Kunstwerk durchaus nicht meinem Geschmack entspricht und ich das auch nicht gerade für Kunst halte. Ich glaube, dass der Künstler sich sicherlich was dabei gedacht hat. Wenn ich ein Bild malen würde, denke ich mir sicherlich auch was dabei. Ob man das unbedingt als Kunst bezeichnen würde, das käme dann sicherlich drauf an, wo es ausgestellt wird.
Wie sollte der Koberg aussehen?
Peter Sünnenwold: Ich könnte mir den Koberg anders vorstellen. Die Tristesse, die dieser Platz ausstrahlt in diesem grau in grau, das hab ich von Anfang an nicht gemocht. Da ist ja damals schon sehr viel Geld reingeflossen, ein paar hunderttausend Euro. Jetzt sind da noch mal 220.000 Euro für den Umbau einschließlich dieses Kunstwerkes in diesen Platz geflossen. Ich denke, man hätte das einfacher, preisgünstiger und für die Lübecker schöner haben können. Ich denke, dass die Lübecker sich da einen anderen Koberg gewünscht hätten, der irgendwo ihren Vorstellungen entspricht. Mit Geibel, einem schönen alten Brunnen vielleicht noch. Diese Brunnen sehen heute ja auch eher aus wie Hundetoiletten, aber haben sehr wenig mit Brunnen zu tun, wenn ich an den in der Breiten Straße denke. Aber die Mehrheit hat das so gewollt, das ist von der Possehl-Stiftung bezahlt worden, und insofern müssen wir da nun mit leben.

"Schuhsohlen-Beleuchtungs-Anlage", "Hubschrauber-Landeplatz": Die Lichtinstallation auf dem Koberg hat viele Spitzenamen, die wenigsten sind freundlicher Natur. Foto: HELGE NORMANN
Ja was heißt Mehrheit? Aus der Politik, aber sicherlich nicht aus der Bevölkerung. Da gab es ja von Anfang an kritische Stimmen.
Peter Sünnenwold: Ja, die Bevölkerung. Wir haben ja so viel Basisdemokratie, dass man sie gar nicht erst fragt (lacht). Also die Bevölkerung, das glaube ich nicht, dass die in ihrer großen Mehrheit den Platz so schön findet. Ich denke, die hätte ihn lieber mit ein paar Bänken gehabt, mit Geibel, mit einem schönen Brunnen. Ein herrliches Ambiente. Alles flach gehalten, so dass die Umgebung nicht von der Sicht gefährdet und beeinflusst wird, sondern dass man diese schönen alten Häuser alle sieht. Das ganze hätte Leben bekommen. Der Koberg braucht ein bisschen mehr Herz, der hat jetzt kein Herz. Er hat keine Seele und kein Herz.
Lübeck hat ja an vielen Stellen schon Flair, in der Hüxstraße, wo diese Kaffeetische draußen stehen und die niedlichen Geschäfte. So in der Richtung.
Peter Sünnenwold: Ja, das hat ja schon Flair wie in Florenz, wie in Venedig. Das ist die Privatinitiative der Anlieger dort und der Gastronomie, und das finde ich sehr schön. Das war ein langer Prozess, bis die Politik dann genehmigt hat, dass man überhaupt Tische auf die Straße stellt. Ein sehr sehr langer Prozess. Dann hat die Politik aber mehrheitlich sich doch durchgesetzt, dass wir diese Gesetzgebung, die wir hatten, doch sehr stark aufgelöst hat. Und jetzt stehen überall Tische, und das macht ja irgendwo das Ambiente aus.

Die Travemünder Wind Art (hier die "Bake" des Essener Künstlers J. J. Meyer) ist eine Initiative, die aus der Bevölkerung heraus entstanden ist und von den Einwohnern auch akzeptiert wird. Foto: HELGE NORMANN
Da haben wir das Stichwort Privat-Initiative, hier gibt es auch ein Kunst-Projekt, aber das wird doch als sehr positiv empfunden, die Wind Art.
Peter Sünenwold: Die Wind Art ist eine ganz ganz tolle Sache. Ich denke, die bringt Travemünde insgesamt ein Stückweit nach vorn, weil hier mal Kultur stattfindet in einem völlig anderen Rahmen. In einem öffentlichen Rahmen, in einem öffentlichen Raum. Mit vielen verschiedenen Künstlern. Dass das alles privat mit Sponsoren so gemacht werden konnte und geklappt hat in dieser Form, und auch viele Zuschauer da waren, viele Gäste gekommen sind, ist bemerkenswert. Und die Wind Art soll ja eine bleibende Geschichte werden, nächstes und übernächstes Jahr wieder stattfinden. Ich hoffe, dass das auch passiert. Denn ich denke, Travemünde hebt sich damit doch mal ganz anders ab von Timmendorf, von Grömitz. Und würde es vielleicht auch schaffen, einen gewissen kulturellen Anspruch mit den Veranstaltungen, die im Maritim, im Columbia, im A-Rosa stattfinden, doch ein Publikum aus Hamburg und Umgebung herzuholen, die in Travemünde mal nicht nur Segeln, Wasser, Sand und Sonne, sondern auch mal bisschen Kultur kennen lernen wollen. Und da ist das ein hervorragender Ansatz. Ich denke, Travemünde eignet sich für solche Veranstaltungen besonders gut. Da kann ich Herrn Dr. Schmitz-Hübsch und dem Verein Kunst und Kultur Travemünde nur ein großes Kompliment machen. Das ist eine ganz ganz tolle Veranstaltung. Ich denke da werden auch noch viele Leute kommen und werden diese Kunstwerke bewundern. Das sind ja auch wirklich Kunstwerke, die man erkennen kann, die man anfassen, sehen und hören kann, wo alle Sinne angesprochen werden. Das find ich schon eine ganz beachtliche Leistung.
ENDE

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Moin,moin, wir vom Kunstverein in Travemünde laden alle Lübecker gerne zu unserer ersten Wind Art nach Travemünde ein. Am Sonntag, 20. Sept.um 15 Uhr (in der Alten Vogtei, ehem. Polizeirevier an der Vorderreihe) diskutieren wir in einer Expertenrunde gemeinsam mit renommierten Künstlerinnen und Künstlern – und wir halten Rückschau und stellen unsere ersten Überlegungen zur Wind Art 2010 vor. Wir freuen uns sehr über Ihre Teilnahme.
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